Kapitalflucht

Unter Kapitalflucht versteht man den plötzlichen oder zügigen Transfer von liquiden Mitteln, Wertpapieren und Anlagen in das Ausland. Damit einher geht ein Rückgang der Nachfrage von Vermögenswerten im Inland. Die normalen internationalen Kapitalbewegungen (Investitionen, Darlehen etc.) zählt man nicht dazu. Plötzlicher Kapitaltransfer erheblichen Umfangs ist vielmehr ein zeitlich begrenztes Phänomen, welches meist durch eine Vermeidung von Abgabenlasten, Umgehung von Inflation bzw. Inanspruchnahme besserer Konditionen im Ausland bis hin zu Steuerhinterziehung motiviert ist.

Der Umfang von Kapitalexporten kann anhand der Kapitalbilanz eines Landes bemessen werden, ist jedoch keine hinreichende Größe, um die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft zu beziffern. Eine exportstarke Wirtschaft wie die deutsche generiert beispielsweise einen Überschuss in der Handelsbilanz, dh. der Wert der exportierten Güter übersteigt den der importieren. Dieser Überschuss manifestiert sich unter anderem in Kapital, das ins Ausland zurück wandert: durch Investitionen, Kredite oder durch die Ausgaben deutscher Touristen. Hier würde man daher auch von einem weitgehend unproblematischen Kapitalexport sprechen.

Durch Angleichung der Steuersysteme bzw. Harmonisierung der Einkommensteuer ist die EU seit längerem bestrebt, die Motivation für Kapitaltransfer ins Ausland zu verringern. Daneben existieren jedoch zahlreiche sogenannte Steueroasen, in welchen geringe Einkommenssteuersätze herrschen und der Transfer von Geldmittel leicht möglich ist. Dies stellt jedoch in den meisten Fällen den Straftatbestand der Steuerhinterziehung dar.

Griechenland ist ein Beispiel für private Kapitalflucht größeren Ausmaßes, denn seit Eintritt des Landes in die EU (und damit in den gemeinsamen Binnenmarkt) führte das geringe Vertrauen in die griechischen Banken dazu, dass über Jahre hinweg (und noch bevor es überhaupt zur griechischen Finanzkrise kam) erhebliche Summen an ausländische Banken transferiert wurden. Mit der Finanzkrise 2009 erhöhten sich die Kapitalströme ins Ausland noch einmal, so dass in diesem Fall nicht mehr von Kapitalexport gesprochen werden kann, sondern von Kapitalflucht geredet werden muss.